Kennen heißt nicht mögen

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Erklären, was es mit Wer-Kennt-Wen.de auf sich hat, muss man kaum noch. Das haben ja schon andere vor mir getan. Mein Lieblingsvergleich ist wirklich der von Social Networks mit Nachtclubs, den paulinepauline mal zitiert hat.

Natürlich liebe ich es, meine Freunde auf facebook mit Hillary Clinton zu bewerfen, sie mit Schneebällen einzuseifen oder sie an meinen Bride Vampire zu vefüttern, aber trotzdem war der Großteil meiner online-aktiven Freunde immer im StudiVZ vertreten, das ja außer ein paar Fotoalben und der Gruschelei nix zu bieten hat. Gerade habe ich mich damit abgefunden, zumal die Bedienung etwas angenehmer geworden ist durch ein bisschen AJAX und ein einige Usability-Optimierungen – hey, da war doch nicht etwa ausnahmsweise ein Designer am Werk? :-)

Plötzlich tauchen diese koblenzer Jungs auf und gründen Wer-kennt-wen. Mein Gott, und tagtäglich prasseln immernoch Einladungen in mein Postfach – ist denn nicht bald das gesamte Rhein-Main-Gebiet dort registriert? Einladungen deshalb, da man nur über eine „persönliche Einladung“ in das Netzwerk kommt (á la den Googlemail-Anfängen). Und jetzt hab ich den Salat: noch mehr Freunde, die vor ’nem Jahr noch Dinge sagten wie „Online-Communities.. neee, da geh ich lieber draußen spielen“ oder „echte Menschen sind mir lieber“ oder „ich würde doch mein Leben nicht im Internet zur Schau stellen“, haben zum Glück nun festgestellt, dass ortsunabhängige und asynchrone Online-Kommunikation eine feine Sache sind.

Besonders auffällig ist, dass WKW (so nennen es die User liebevoll…) bei Leuten Anklang gefunden hat, die vom Mitmach-Web erst jetzt erfahren. Erstaunt bin ich auch, wie locker die Leute mit ihrer Privatsphäre umgehen. Fast Ausnahmslos wird hier Vor- und Nachname, ja sogar der Mädchenname angegeben. Wahrscheinlich unter dem Deckmäntelchen „kommt eh nur rein, wer persönlich eingeladen wurde“. Außerdem hat man ja nicht nur Freunde, mit denen man verknüpft ist, sondern man ist einfach mit jedem verknüpft, den man kennt. Jetzt möchte ich ja keine philosophische Diskussion darüber anfangen, wann Menschen sich kennen und wenn, wie intensiv, aber mir persönlich ist es nicht recht, dass Leute meine Handynummer oder letzten Urlaubsbilder sehen, mit denen ich im Kindergarten mal zusammen die Höcker eines Kamels bei der Weihnachtskrippe gespielt habe. Dazwischen haben wir uns zwei, drei mal auf der Kerb flüchtig gesehen. Lustig ist, dass es sogar eine Gruppe gibt, die „kennen heißt nicht mögen“ heißt. Aha.. soso. Mir war das jedenfalls zu bunt. Meine WKW-Kontakte habe ich vor kurzem aussortiert: die guten ins Töpfchen, die flüchtigen unter’s Löschknöpfchen.

Ich finde es super, dass das jetzt endlich auch bei den Normalusern losgeht, dass alle mitmachen! Das traurige ist nur, dass WKW noch ganz am Anfang und im Community Best Practice soweit von unten angesiedelt ist, dass man’s kaum ertragen kann. Ja, sie müssen erst die Infrastruktur bauen und ja, es ist LAAAAANGSAAAAAAM, aber für uns alte Hasen im Community-Lager ist es wirklich eine Qual. Die Feature-Palette ist bisher überschaubar: Pinnwand, Fotoalben mit Verlinkung, Freunde auf einer Karte anzeigen lassen, Blog, Twitter-Funktion und Gruppen.

Man könnte sich aus dem Fenster lehnen und sagen: Wer kennt wen ist eine Kopie des StudiVZ, was wiederum eine sehr billige Kopie von facebook… ach lassen wir das. Es hilft ja alles nichts, denn ihr wisst ja wie das ist – hier sind wir wieder bei dem Thema Nachtclubs. Ich geh dahin, wo ich meine Freunde finde. Und wenn ich nette Nachrichten bekomme, dann freue ich mich – auch, wenn ich mich durch eine Website mit undurchdachter Usability quälen muss. Bedeutet das, ein Gründer einer Online-Community kann sich ab einer bestimmten Nutzerzahl / einem großen Boom, erlauben, was er möchte? Ich befürchte, das ist so.

Trotzdem bleibt zu hoffen, dass da Verbesserungen in Planung sind, denn ich hab das Gefühl, dass man sich hier viel Mühe gibt. Auf der Under-Contruction-Site, werden Sprüche über Chuck Norris angezeigt (z.B. Chuck Norris liest keine Bücher: Er starrt sie so lange an, bis sie ihm freiwillig sagen was er wissen will.“) Bin sehr gespannt, was da noch kommt, um WKW aus dem Schatten seiner bereits entwickelten Konkurrenz zu holen. Hoffe, man beeilt sich :-)

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10 thoughts on “Kennen heißt nicht mögen

  1. So, ich als ehemalige der oben erwähnten “ich würde doch mein Leben nicht im Internet zur Schau stellen”-Kandidaten bin ja nun auch im StudiVZ vertreten – und schon mehrmals zu „wer-kennt-wen“ eingeladen worden. Ich muss aber sagen, dass – obwohl man mich letztendlich doch noch zum StudiVZ „rumgekriegt“ hat – mir diese Plattform vollkommen reicht. Habe soviel Leute dort wiedergefunden – von denen auch viele bei WKW sind. Warum also nochmal neu irgendwo anmelden, um die gleichen Leute wiederzutreffen? Bin teilweise schon mit einer Community vollkommen ausgelastet – und die schießen ja seit dem StudiVZ-Hype aus dem Boden („Lokalisten“ etc.) und scheinen alle irgendwie ähnlich zu sein…
    Allgemein noch zur Privatsphäre: ICH finde, wenn man sich bei sowas wie Studi, WKW, Facebook etc. anmeldet, dann macht es doch eigentlich nur Sinn mit dem richtigen Namen, sonst kann man es ja gleich lassen… Allerdings lustig die Leute, die sich mit richtigem Namen anmelden und dann über mangelnde Privatsphäre beschweren – dann sollen sie es doch lassen? Das ist ja so, wie wenn ich mich im Telefonbuch eintragen lasse und dann beschwere, dass da jeder meine Nummer sehen kann – oder meinen Namen an die Klingel schreibe und dann schreie „Hilfe, da sieht ja jeder, wo ich wohne“. Also: Keine Panik ;)

  2. oh ja, da habe ich mir auch schon so den einen oder anderen gedanken drüber gemacht und ein blogbeitrag ist auch schon in meinem kopf so gut wie vorformuliert ;)
    leute, die ich kenne, sind nicht unbedingt meine freunde. denen will ich auch nicht alle details zeigen. man müsste seine kontakte also klassifizieren können.
    allerdings weiß ich nicht, ob es anders wäre, wenn wkw anders heißen würde. ob man dann nur freunde aufnehmen würde, oder eben doch jeden, den man kennt. ich vergleiche es immer mit xing, da hab ich auch viele kontakte, die ich halt einfach nur kenne. aber hab ich mit denen auch business-mäßigen kontakt? nee …

  3. Also jetzt muss ich den WKW Kritikern mal ein schönes Gegenbeispiel nennen. Ich habe früher in einer bekannen Wiesbadener Straße gewohnt, die ein Dorf für sich war. Wir waren damals sehr viele Kinder die zusammen gespielt haben. Leider haben viele sich aus den Augen verloren. Doch da gründet einer die Waldstraßen-Gruppe, die rasch über 80 Mitglieder bekommt. Man findet eine Unmenge von Leuten, die man jahrelang nicht mehr gesehen hat. Mail diesen. DIskutiert üeber alte Zeiten etc…Und dann gründet jemand die Gruppe Waldsträßer Treffen. Wir machen ein Termin aus und treffen uns mit mehreren Leuten in einer Waldsträßer Kneipe zum Essen. Es war so toll und lustig, dass wir uns nun einmal im Monat zum Stammtisch treffen. Beim nächsten Stammtisch sind wir 12 bis 15 Leute, von denen ich einige teilweise 15 Jahre nicht mehr gesehen habe. Freue mich schon tierisch drauf. Ohne WKW wäre das nicht möglich gewesen ! Grüße

  4. Ach und was Datensicherheit betrifft : Also Telefonnummer und genaue Adresse würde ich auch nicht bekannt geben. Man sollte auch nicht unbedingt bei Hobbies : saufen , oder Ähnliches schreiben, kann ja z.B. der Chef lesen.
    Aber warum sollte man nicht seinen Namen eintragen und seine Hobby, Buchtipps etc…. Da meine Hobbys nicht aus Raubüberfällen, SodoMaso, Kampftrinken oder Ähnliches bestehen, habe ich auch kein Problem der Welt mitzuteilen, was mir gefällt, welche Musik ich gerne höre etc…
    Anfang der 80er Jahre hatten die Leute alle Angst vor der totalen Überwachung. Viele Leute wollten Computer am liebsten verbieten. Ich denke so ein Verhalten bringt uns nicht weiter. Klar werden heute zahlreiche Daten von uns verwendet. Ich habe z.B. eine Payback Karte und weiss, dass alle meine Einkäufe registiert werden. Viele meiden daher Payback. Selber blöd, denn ich schätze mal, dass ich durch Payback schon mehrere hundert Euro zurückbekommen habe. Aber Hilfe, man bekommt ja Werbung von Payback. Auch blöd, wer die nicht öffnet, denn da sind meistens Rabattkarten von bis zu 20% drin. Wenn andere also gerne mehr bezahlen, weil Sie Payback mistrauen, gerne.
    Falls ich meinen Hauptschulabschluss abgebrochen habe, weil ich in den Knast musste, da ich meine 3 Ehrfrau geprügelt habe, würde ich mich auch nicht bei WKW anmelden. Könnte ja sein, ich treffe alte Freunde wieder, die fragen, was ich so mache.
    Aber in meinem Fall sollen Sie es ruhig wissen.
    Grüße

  5. ja, aber Mario – das sind die fantastischen Eigenschaften des Internet, dass man sich mit Leuten vernetzt, die weit entfernt, oder zu denen der Kontakt abgebrochen ist… und hat wenig speziell mit WKW zu tun ;-) Interessant ist nur, dass Du diesen netten Effekt erst jetzt mit WKW entdeckst und nicht wie viele web2.0-infizierte vor zwei Jahren… Nun ist die Zeit plötzlich da, in der auch viele Skeptiker den Schritt in’s Internet wagen. Und das freut mich :-) In diesem Sinne… schönen Abend!

  6. Also WKW ist meines erachtens das erste Poral für alle. Ich kenne Studiverzeichnis zwar nicht, aber ich denke, dort registieren sich eher nur Studenten oder ehemalige. Bei XING handelt es sich eher um ein BusinessPortal, als Aushilfe oder ähnliches würde ich mich da nicht eintragen. Bei Stayfriends nimmt man nur Kontakt mit ehemaligen Klassenkameraden auf. WKW ist halt für alle und man findet daher auch alle…..naja fast alle.

  7. muss man Leute wiedertreffen?
    ich kenne so viele Menschen,
    da brauch ich nicht noch mehr.
    Meine Bekanntenkreis kostet mich auch so schon unmengen Zeit, da muss ich mir nicht noch mehr aufhalsen.

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